Bamberg droht der Zerfall der Bierkultur. Das merkt man daran dass in immer mehr Gaststätten keine Bamberger Biere mehr angeboten werden. Becks und Krombacher stehen da ganz oben auf der Karte. Den absoluten Supergau mussten wir erleben, als wir uns letzte Woche einen Schnitt bestellen wollten und uns dieser verweigert wurde. Selbst auf ausdrücklicher Nachfrage bei der Chefin sollten wir keinen bekommen. Ein kleines Bier sollten wir kriegen aber das war uns zu blöd. Dann müßt ihr halt auf euer Bräu sitzen bleiben.
Doch für Nicht-Bamberger erstmal eine kleine Erklärung zum Thema Schnitt: Der Schnitt ist nichts anderes als ein halbes Bier. Nicht gedacht für Autofahrer und Frauen, die würden ein kleines Bier auch trinken, sondern für Männer die nach dem dritten oder mehr kein ganzes Seidla mehr möchten. Bestellt man einen Schnitt ist es ein gutes halbes Seidla manchmal sogar fast ein ganzes und kostet die Hälfte oder knapp darüber. Auf die Frage warum es denn hier keinen Schnitt gäbe, bekamen wir nur die Antwort dass es das Schlenkerla nebenan genauso handhabe. Aber das Schlenkerla sollte man nicht als Maßstab für die Bamberger Biertradition benutzen. Darum haben wir uns aufgemacht in Bambergs Brauereien um herauszufinden wo es den Schnitt überhaupt noch gibt und was er uns Franken bedeutet. Die erste Station ist die Brauerei Maisel. Hier gibt es den Schnitt. Freundlich gibt man uns Auskunft, dass dieser Service bei allen Bieren angeboten wird und dass sogar ein Weizen-Schnitt machbar ist auch wenn danach seltener verlangt wird. "Unser Weizen kommt nämlich bei uns aus dem Faß!", erklärt der Wirt stolz. Beim Mahr eine ganz ähnliche Aussage:"Schnitt gehört einfach dazu! Aber mit Weizen machen wir das nur in den Sommermonaten wenn aus dem Faß ausgeschenkt wird." Als wir es uns im Spezial gemütlich gemacht hatten, sehe ich schon wie die Bedienung einen Schnitt an den Stammtisch nebenan bringt. Ich geselle mich mit an den Tisch. Erst skeptisch beäugeln mich die Herren, aber als ich ihnen meine gute Absicht erkläre, wurden sie gesprächiger. "Der Schnitt ist ein besonderer Service der Brauereien der auf keiner Karte zu finden ist. Das Schlenkerla hat ihn als erste abgeschafft. Ja, vor 26 Jahren wenn man früh in den Keesmann ist und einen Krug bestellt hat bekam man ein Maß Bier zum Preis von einem Seidla. Der zweite Krug war dann aber normal 0,5l. Das Fachwort ist 3 Schoppen a Moß. Dort solltet ihr mal fragen!" Die Bedienung im Spezial gab noch die Auskunft daß früher der Schnitt bis zwei Finger unterm Strich voll war. Jetzt ist es ziemlich genau ein halbes Bier. Bis jetzt haben wir nur erfreuliche Aussagen gehört. Wir müssen aber noch in Erfahrung bringen warum es im Schlenkerla den Schnitt eben nicht mehr gibt. Die netten Bedieungen dort konnten uns nicht weiterhelfen. Prompt wird eine Art Chefin geholt:" Die Abschaffung des Schnittes war vor über 7 Jahren eine persönliche Entscheidung der Geschäftsleitung." Mit dieser Aussage können wir uns aber nicht zufrieden geben."Was ist der ausschlaggebende Grund gewesen? Am finanziellem kann es nicht liegen. Der Ertrag ist bei gleicher Arbeit höher als beim Seidla." Chefin:"Tut mir leid. Eine persönliche Entscheidung der Geschäftsleitung" Den Stein ins Rollen brachte ja die Brauerei Ambräusianum. Bereitwillig nahm ein freundlicher junger Mann sich dort die Zeit um uns den Sachverhalt zu erklären:" Wir schlossen uns dem Schlenkerla an, weil die Diskussion um den Schnitt sehr groß war. Was ist ein Schnitt? Ein halbes Bier oder dreiviertel? Manche Gäste beschweren sich wenn der Krug nicht weit über die Hälfte gefüllt war. Die Diskussionen darüber wollten wir uns ersparen. Darum haben wir ein kleines Bier auf der Karte. Sogar ein kleines Weizen kann man bei uns bekommen!" Sind wir Bamberger also selbst Schuld daran, dass es den Schnitt nicht mehr überall gibt? Besonders erfreulich war es noch in der Klosterbräu. Hier ist man absolut flexibel was den Schnitt angeht. "Klar gibt es bei uns den Schnitt. wegen mir auch als erstes Bier und auch mehrere sind drin. Viele Touristen möchten das Bier nur mal testen und sind 0,3l und 0,4l einfach gewöhnt. Weizen-Schnitt machen wir nicht. Einmal wollte jemand sogar einen mit Radler!" Vom Zerfall der Bierkultur sind wir noch weit entfernt. Bisher konnten wir nur zwei Brauerein ausmachen, welche sich dem Schnitt verwehren. Und wenn ich einen Brauerwirt zitieren darf:"Da muß man ja nicht unbedingt hin". Die Erklärungen fand ich auch nicht zufriedenstellend. Das Ambräusianum sollte einfach den Schnitt testen und konsequent an ein festes Maß halten und nicht vornherein sich ausschließen. Dann wirds auch vielleicht mal ne echte Bamberger Brauerei. Wie ist eure Meinung, mailt mir ! Euer trinkender Reporter Manuel | 
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